Die Linkspartei.PDS:
Erwartungen an die Lehrplanreform für die Sekundarschule
Zur Lehrplanreform für die Sekundarschule, die der
Kultusminister heute vorgestellt hat, erklärt Jutta Fiedler, bildungspolitische
Sprecherin der Fraktion der Linkspartei.PDS im Landtag Sachsen-Anhalt:
„Die Landesregierung beschwört nicht zum ersten Mal, dass die Sekundarschulen
ins Zentrum der bildungspolitischen Aufmerksamkeit gerückt werden müssen.
Allein an den zahlreichen Problemen, die diesen Schulen auf den Nägeln
brennen, und den unbefriedigenden Leistungen, die noch zu viele ihrer
Absolventinnen und Absolventen vorweisen, hat sich noch nicht allzu viel
durchgreifend geändert.
Nach wie vor klagt die Wirtschaft über mangelhaft ausgeprägte
Grundkompetenzen und unsicheres Grundwissen bei den zukünftigen
Auszubildenden, nach wie vor herrscht an mancher Sekundarschule keine
sonderlich lernfördernde Atmosphäre.
Wir unterstützen den Gedanken, bei einer Reform der Sekundarschule
deren Bildungsinhalte auf den Prüfstand zu stellen.
Insbesondere erwarten wir:
den Sekundarschulbildungsgang so zu gestalten, dass ihm eine Perspektive
als ein dem gymnasialen Bildungsgang gleichwertiger Bildungsgang eröffnet
wird;
die Defizite im hauptschulabschlussbezogenen Unterricht im
Vergleich zum realschulabschlussbezogenen Bildungsweg zu überwinden,
damit allen Schülerinnen und Schülern der Realschulabschluss nach
Klasse 10 auch wirklich ermöglicht wird - damit berücksichtigen
wir ausdrücklich nur die derzeitige Rechtslage in Sachsen-Anhalt, denn
die Linkspartei.PDS lehnt hauptschulabschlussbezogene Bildungsgänge
ab;
verstärkt Aspekte des praxisverbundenen Lernens in alle
Fächer einzubeziehen, der Berufsorientierung einen höheren
Stellenwert beizumessen, an den zahlreichen in der letzten Zeit gewachsenen
Initiativen und Kooperationen von Schulen und Wirtschaft anzuknüpfen
und sie auf verlässliche Grundlagen zu stellen;
dass die neuen Lehrpläne Raum geben, um besser an den
differenzierten Erfahrungswelten der Schülerinnen und Schüler anzuknüpfen
und auch so Lernmotivation und Lernbereitschaft erhöhen zu können;
sozialkundliche, ethische, religionskundliche und geschichtliche
Bildung so zu entwickeln, dass ein spezifischer Beitrag zur Auseinandersetzung
mit Rechtsextremismus, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt
sowie zur Ausprägung demokratischen Engagements und Verantwortungsbewusstseins
geleistet werden kann;
geschlechtssensible Bildungsangebote auszuprägen.
Mit den neuen Lehrplänen für die Sekundarschulen in Sachsen-Anhalt
verbinden wir außerdem die Erwartung, dass die pädagogischen
Spielräume für die Schulen, die Lehrkräfte und das weitere
pädagogische Fachpersonal ausgebaut werden.
Wertvolle Hinweise aus der Evaluation der Rahmenrichtlinien der Sekundarschulen,
die das LISA bereits 2005 vorlegte, sollten aufgegriffen werden.
In der Landtagssitzung am 22. und 23. Februar 2007 werden wir die Landesregierung
auffordern, genau zu diesen Schwerpunkten den Landtag eingehend zu informieren.
(Antrag
Drs. 5/529)“