Fraktion DIE LINKE: Kein Blankoscheck aus
Sachsen-Anhalt
Zur heute stattfindenden Runde zwischen der Bundeskanzlerin und den Ministerpräsidenten
zum Rettungspaket für die Finanzwirtschaft vertritt DIE LINKE in Sachsen-Anhalt
folgende Position:
- Sachsen-Anhalt kann im Bundesrat keinem Gesetz zustimmen, das allein
die Bundesregierung ermächtigt, bis zu 500 Mrd. Euro zur Stützung
von Unternehmen einzusetzen und die die Kosten dann dafür anteilmäßig
auf die Bundesländer zu übertragen. Die vollmundigen Versprechungen
der Bundeskanzlerin und des Bundesfinanzministers, solche Hilfen nur unter
strengen Voraussetzungen zu gewähren, misstrauen wir ausdrücklich.
Bisher hat sich die Bundesregierung immer als Interessenvertreterin der Branche
entpuppt, die nunmehr so jämmerlich versagt hat.
- In der Föderalismuskommission muss sofort jegliche Forderung nach
Schuldenbremsen oder Schuldenaufnahmeverbot fallengelassen werden. Es ist
niemandem zu erklären, dass bei sozialen Defiziten oder Problemen in
der Realwirtschaft Neuverschuldung tabu sein soll, aber bei einer Krise der
Banken zusätzliche Milliardenbeträge kein Problem darstellen.
- Es ist absolut inakzeptabel, wenn die Bereitstellung von öffentlichen
Geldern in dieser Größenordnung beschlossen wird, ohne dass nur
im Ansatz die Ursachen für diese Krise thematisiert werden. Eine solche
öffentliche Stützung ist nur akzeptabel, wenn zeitgleich eine effektive
Kontrolle der Finanzmärkte verbindlich vereinbart wird.
- Sollte es bei diesem Rettungspaket bei einer Länderbeteiligung
am Bürgschaftsrahmen der Bundesregierung bleiben, fordert DIE LINKE
eine Sondersitzung des Landtages, um eine inhaltliche Debatte über die
Konsequenzen einer solchen Beteiligung zu ermöglichen sowie die gesetzlichen
Grundlagen für eine solche Beteiligung auf den Weg der parlamentarischen
Beratung zu bringen.
DIE LINKE ist sich ihrer politischen Verantwortung bewusst, staatliches
Handeln in dieser Krisensituation zu ermöglichen. Wir haben aber auch
eine Verantwortung gegenüber den SteuerzahlerInnen sowie der wirtschaftlichen
und sozialen Entwicklung in diesem Land. Wir können einen Politikansatz
nicht akzeptieren, der sich ausschließlich auf die Rettung der Finanzwirtschaft
konzentriert, aber bei einer Rezession in der Realwirtschaft und bei sozialen
Spannungen die Hände in den Schoß legt.
Magdeburg, 16. Oktober 2008
Wulf Gallert
Fraktionsvorsitzender
+++ Pressesprecher: Dr. Thomas Drzisga (v.i.S.d.P.)
+++ fon: 0391 /
560 5004 +++ mobil: 0171 / 22 300 35 +++ fax: 0391 / 560 5028 +++
mail: drzisga@dielinke.lt.sachsen-anhalt.de
oder drzisga@gmx.de +++