Die Linke. Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt
Angelika
Hunger zu TOP 29: Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit des Einsatzes von
Biokraftstoffen
In welchen Schwierigkeiten die Biokraftstoffbranche steckt, wird wohl keinem der Fachpolitiker der verschiedenen Fraktionen verborgen geblieben sein, nachdem im Frühjahr die Hilferufe aus der Branche immer lauter wurden. Der Bundesverband Biokraftstoffe meldete 40 % Produktionseinbruch, 10 % Anlagenstillegungen und Konkurse besonders der kleinen und mittleren Anlagen, Arbeitsplatzverluste, Anlagenabbau und -verlagerung. Wenn das Gesetz nicht korrigiert wird, sind zum Ende des Jahres 80 % der Branche vom Aus bedroht. Damit werden Strukturen in ländlichen Räumen zerschlagen, die in ihrer dezentralen, regionalen Orientierung für den Wandel der Energieversorgung unerlässlich sind.
Schon bei der Diskussion des
Energiesteuergesetzes haben meine Kollegen der Linksfraktion im Bundestag auf
die zu erwartenden negativen Folgen hingewiesen und folgerichtig das Gesetz
abgelehnt. Nun liegt, nachdem die
Folgen des Gesetzes für alle offensichtlich wurden, ein Antrag mit der
Drs-Nr.16/5679 „Stufenbesteuerung und Quotenpflicht bei Biokraftstoffen
zurücknehmen – Nachhaltigkeitskriterien umgehend einführen“ von der
Linksfraktion abstimmungsreif im Bundestag vor. Ich hoffe also sehr, dass ihre
Kollegen dort auch den Ernst der Situation erkannt haben und der Bundestag als
Gesetzgeber sehr schnell handelt.
Daneben ist es natürlich
trotzdem sinnvoll, wenn sich auch die hiesige Landesregierung in Berlin für
eine andere Gesetzgebung einsetzt, so wie es Ihr Antrag anstrebt.
Wir können dem Antrag im Kern
zustimmen, regen aber folgende Änderungen an.:
1. Besonders wichtig ist uns,
dass in der Frage der Besteuerung von Biodiesel sofort gehandelt wird, das
heißt, dass die Besteuerung zumindest bis Ende 2009 aufgehoben wird und nicht
nur wie in Punkt 3 des Antrages die nächste Steuerstufe ausgesetzt wird. Hier
gibt es großen Handlungsbedarf, um gerade die kleinen Produzenten, die die
Vorreiter in der Entwicklung der Branche waren, noch zu retten und ihr
Vertrauen in die Politik zumindest nicht weiter zu erschüttern. Im Übrigen
weist auch der Fortschrittsbericht Biokraftstoffe der EU-Kommission darauf hin, dass durch Steuerbefreiungen die
größten Fortschritte bei der Einführung von Biokraftstoffen erreicht werden.
Wer also wirklich an einer Energiewende hin zu erneuerbarer, regional erzeugter
Energie interessiert ist, kann dem nur folgen. Zumindest ist damit auch Zeit
gewonnen, eine mögliche dynamische Anpassung der Besteuerung zu prüfen und zu
gestalten.
2. Damit zu Punkt 1 Ihres
Antrages. Wenn schon nach gründlicher Prüfung eine Besteuerung erfolgen soll,
dann darf nicht der Wunsch von Herrn Steinbrück nach hohen Einnahmen Pate
stehen, sondern des müssen auch die positiven Effekte, die Biokraftstoffe für
Klima- und Umweltschutz, Ressourcenschutz, Versorgungssicherheit und die
Erfüllung der europäischen Biokraftstoffrichtlinie bei der Festlegung der
Steuersätze angemessen berücksichtigt werden.
3. Die schnelle Erhöhung der
Beimischungsquote, die sie in Punkt 3 des Antrage fordern, halten wir für nicht
zielführend. Sie vergrößert die Abhängigkeit der Produzenten von der
Mineralölindustrie, die häufig Niedrigpreise für Biokraftstoffe zur Erfüllung
der Quote erzwingt. Das führt zum Anbau der Rohstoffe in Monokultur und
verstärktem Einsatz von billigen Importen. Die Chancen der kleineren
Produzenten sichert nur der Absatz der Reinbiokraftstoffe. Nur das kann die
Dezentralisierung des Kraftstoffmarktes und damit ein allmähliches Brechen des
Monopols der Mineralölindustrie wirklich befördern.
4. Statt dessen sollte in diesem Punkt des Antrages schnellstens
eine Zertifizierung eingefordert werden, um
wirklich nur umweltfreundlich erzeugte Energiepflanzen zur Verarbeitung
zuzulassen. Genau so wenig sollte in Deutschland Biomasse aus südlichen
Gefilden (Stichwort Palmöl) verarbeitet werden, wenn diese in nicht
nachhaltiger Weise erzeugt wurde, sowohl in ökologischer als auch sozialer
Hinsicht.
Ob dieses Kriterium der
Umweltfreundlichkeit im Land auf die großen Anlagen mit zig tausend Tonnen Produktion und zig tausend
Kilometern Transport noch zutrifft, halte
ich schon für fragwürdig. Aber dazu werden wir sicher noch im Ausschuss
diskutieren können.
Mit den Änderungen würden wir
dem Antrag zustimmen, besonders wichtig bleibt uns der erste Punkt.