Die Linkspartei.PDS
Fraktion im Landtag Sachsen-Anhalt

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Uwe Heft zu TOP 01 b): Für zukunftsfähige Bahn- und Preisstrukturen

 

Sieht man sich die Ausführungen zum Antrag dieser aktuellen Debatte an, so tritt der eigentliche Anlass im letzten Absatz zu Tage!

Dass zukunftsfähige Preisstrukturen Gegenstand der Debatte sein sollen, bedarf viel Phantasie! Dies ist möglicherweise auch überhaupt nicht Absicht. Vielmehr soll ausschließlich der Kompromiss der Regierungskoalition in Berlin zur Veräußerung von 24,9 % der DB AG. an private Kapitalgeber, die Infrastruktur soll im Eigentum des Bundes bleiben Gegenstand der Debatte sein. Anstatt grundsätzlich über das Ob und die Notwendigkeit der Veräußerung von Staatseigentum zu diskutieren, wird ausschließlich nur über das Wie debattiert. Wesentlich konstruktiver wäre eine Debatte über notwendige Kurskorrekturen, um die Bahnreform fortzuführen.

Wie mangelhaft dabei die Diskussion geführt wird und welche Mängel die gefundenen Lösungen selbst aufweisen, zeigt der Zeitraum der Diskussion und das permanente Verwerfen dieser sogenannten Lösungen. Die seit Monaten geführte Diskussion zur Veräußerung der DB AG oder auch nur Teilen davon wird maßgeblich von handfesten Verwertungsinteressen zur Umverteilung gesellschaftlichen Eigentums in wenige private Taschen beeinflusst. Pläne zur Veräußerung auch nur von Teilen öffentlicher Daseinsvorsorge lehnt die Fraktion der Linkspartei.PDS ab. Ebenso wie 71 % der Bevölkerung sind wir der Meinung: Die Bahn hat an der Börse nichts zu suchen! Für uns gehört das Vorhalten einer ausreichenden den Mobilitätsbedürfnissen der Bevölkerung dienenden Infrastruktur zu den Grundaufgaben einer öffentlichen Daseinsvorsorge, welche nicht der privaten Verwertung im Sinne des marx´schen Mehrwertes unterworfen werden darf. Die Folgen derartigen Handelns können heute noch trotz dem sich die britische Regierung entschlossen hat die Infrastruktur wieder in eigene Hände zu nehmen in GB beobachtet werden.

Die Verwertung öffentlichen Eigentums an Verkehrsinfrastruktur führt im ÖPNV u. a. zu fast ausschließlich eigenwirtschaftlichen Verkehren.

Das ist per se nicht negativ, sofern ebenso intensiv gemeinwirtschaftliche Relationen bedient werden. Dies ist aber mitnichten der Fall. Das die Verkehrsunternehmen gegenseitig versuchen als erster an der Haltestelle zu sein, in Folge dessen für den Fahrgast verlässliche Fahrpläne vollständig ad absurdum geführt werden, ist heute Realität in GB. Das ist nicht unser Interesse! Für alle Verkehrspolitiker sollten die Verkehrsteilnehmer und im ÖPNV/SPNV die Fahrgäste höchste Priorität genießen. An deren Interessen hat sich unser Handeln auszurichten!

Der von der Regierungskoalition in Berlin dieser Tage der Öffentlichkeit offerierte Kompromiss ist ein fauler Kompromiss und weiteres Armutszeugnis für diese Koalition.

 

Die Koalitionsspitzen in Berlin meinen sich festgelegt zu haben: 24,9 % der Bahn gehen an privates Kapital, die Infrastruktur soll aber Eigentum des Bundes bleiben.

 

Sie favorisiert ein Eigentumsmodell, welches völlig schleierhaft ist. Diese Offerte aus Berlin, ist höchstens ein drittklassiger Versuch, den Börsengang der DB AG mit Netz jetzt über ein Nebengleis in Fahrt zu bringen.

 

Erinnern wir uns an die Ziele der Bahnreform 1993:

 

·           Entlastung des Bundes vom Haushaltsrisiko Deutsche Bundesbahn und Erwirtschaftung von Gewinnen

·           Mehr Verkehr auf die Schiene durch Privatisierung und Regionalisierung

·           Faire Wettbewerbsbedingungen für die Bahn, durch die Beseitigung von ungleichen Wettbewerbsbedingungen zugunsten des Strassen- und Luftverkehrs.

 

Von allen 3 Zielen sind wir heute - 13 Jahre danach – weiter entfernt als je zuvor.

 

Die Realität spricht eine deutliche Sprache: Der Bund zahlt pro Jahr über 25 Milliarden Euro für Infrastrukturen des Fernverkehrs und für die im Verkehr ihm traditionell zugewachsenen Aufgaben.

Angesichts knapper Kassen sucht die Bundesregierung nun Wege, sich finanzieller Lasten zu entledigen. Sie plant, früher oder später Aktien der DB AG zu veräußern. Wenn es heißt, die Bahn solle an die Börse, dann bedeutet dies keinesfalls, die Aktien wären in Sparkassenfilialen zu haben. Gesucht werden nur Anleger, die mit Milliarden an Euro einsteigen.

Ganze Aktienpakete kaufen Großinvestoren aber nur dann, wenn damit auch Erträge winken. Daran ändert auch der aktuelle Kompromiss der Koalition in Berlin nichts.

Beide von der Bundesregierung in Auftrag gegebenen Gutachten Morgan-Stanley-Gutachten vom Frühjahr 2004 und das PRIMON-Gutachten (Privatisierung mit und ohne Netz) vom März 2006 von Booz Allen Hamilton beruhen in ihren quantitativen Prognosen auf den Finanzplanungen der DB AG. Das Hauptaugenmerk liegt auf Analysen zur Ertragskraft der Bahn, die Ziele der Bahnreform bleiben vollständig unterbelichtet. Überlegungen, wie mehr Verkehr auf die Schiene zu holen ist oder wie die Gelder, die der Bund aufzuwenden hat, künftig reduziert oder sparsamer eingesetzt werden können, fehlen.

Die Gutachter des PRIMON-Teams beziffern die Einsparungen für den Bundeshaushalt bei einer Veräußerung „mit Netz“, also von 49 Prozent des gesamten DB-Konzerns einschließlich der Infrastruktur, auf 23 Milliarden Euro. Der jetzige Kompromiss brächte dann wohl lediglich ca. 12 Mrd. € Einnahmen für den Bund. Zwar sind 12 Milliarden € viel Geld, doch als Spareffekte  für einen Zeitraum von 20 Jahren sind sie äußerst mager.

Da der Bund in jedem Falle weiterhin in der Pflicht steht, vor allem beim Aus- und Neubau der Bahninfrastruktur, können nur Gelder des Nahverkehrs gekürzt werden. Dies lehnt die Linke.PDS grundsätzlich ab. Verkaufserlöse könnten zwar erzielt, doch später durch Kapitalerhöhungen auch wieder aufgezehrt werden. Unklar ist zudem, ob die Verkaufserlöse nicht nur dem Bund, sondern auch der DB AG zufließen.

 

Was ist die DB AG wert?

 

Laut DB-Bilanz liegt der Wert der DB AG nur bei etwa 47 Milliarden Euro, obwohl der Bund allein für Investitionen in die DB AG seit 1994 gut 100 Milliarden Euro bezahlt hat.

Diese wurden jedoch nicht mal zur Hälfte aktiviert, so dass einige Milliarden Euro zinsloser Darlehen und an Baukostenzuschüssen in der Bilanz überhaupt nicht auftauchen!

Der Wert der Bahn wurde bereits am 1. Januar 1994 geschönt: Der Bund übernahm die Schulden, das Anlagevermögen in der Eröffnungsbilanz der DB AG sank auf 13 Milliarden Euro. Tags zuvor waren Schienen, Bahnhöfe und Züge zwar dieselben, aber Bundes- und Reichsbahn noch 52 Milliarden Euro wert.

Den Gesamtwert der DB AG schätzen Experten heute auf 200 Milliarden, den des Netzes auf 136 Milliarden Euro. Damit Schienen, Brücken, Tunnel, Stellwerke oder Stromanlagen ihren Wert behalten, sind sie stetig instand zu halten. Bei durchschnittlich 33 Jahren normativer Nutzung sinkt ihr Wert jährlich um etwa drei Prozent.

Soviel müsste die Bahn bei ordentlicher Betriebsführung jedes Jahr selbst in die Instandhaltung ihrer Infrastruktur investieren.

Auf Verschleiß gefahrene Infrastruktur, Langsamfahrstellen über mehrere Jahre, Sperrungen aus technischen Gründen - zum Teil gegen den Widerstand der Aufgabenträger -, Gefährdung des Einhaltens von Taktfahrplänen, drastischer Rückbau von Weichen und Gleisen sprechen eine deutlich andere Sprache.

So wurden laut Bundesregierung (Bundestags-Drs. 14/3682 vom 28.6.00) innerhalb der ersten 5 Jahre nach der verkündeten Bahnreform insgesamt 3340 km Schienenstrecke stillgelegt, demgegenüber aber nur 311 km neu in Betrieb genommen. Nach Angaben des VDV wurden im selben Zeitraum von 14380 Gleisanschlüssen 8143 abgebaut.

Als Voraussetzung für das Gelingen der Bahnreform galt 1994, dass mindestens zehn Jahre lang neun bis zehn Milliarden DM pro Jahr in den Ausbau und in die Modernisierung des Netzes investiert werden. Doch schon ab 1995 wurden die Investitionen zusammengestrichen. In den folgenden Jahren wurden maximal 6 Mrd. DM oder 3 Mrd. € investiert.

 

Nur das Netz in Staatshand?

 

Wegen vieler Engpässe schloss mancher vorschnell, das Netz möge staatlich bleiben, nur was rollt, gehöre in Privathand.

Dass es kontraproduktiv ist, Netz und Betrieb zu trennen, zeigt der Reiseverkehr:

Züge würden bald nur noch dort fahren, wo es sich rechnet.

Müssten die Länder dafür Ersatz durch Regionalzüge bieten, würden die Gelder der Länder und des Bundes knapper, um Bahn & Bus voran zu bringen.

Die Wirkungen dieser Entwicklung träfe den Fahrgast, welcher mit massiv steigenden Fahrpreisen konfrontiert würde.

Dies wiederum setzt eine abwärts gerichtete Spirale in Gang, an deren unterem Ende die Abbestellung von Leistungen im SPNV durch die Länder steht.

Mit der derzeitigen Diskussion um die Reform der DB AG werden keine kundenfreundlichen Tarifstrukturen geschaffen.

Auch deshalb muss jeglicher Kapitalinteressen unterworfene Verkauf der DB AG vehement abgelehnt werden.

Derzeitiges Ziel der DB AG ist nicht mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen, sondern die Steigerung der Einnahmen.

Eine Entlastung der öffentlichen Haushalte hat es nur bedingt gegeben. Der Wunsch des Staates, durch die Bahnreform sich seiner Verantwortung für die öffentlichen Schienen-Infrastruktur zu entziehen, kann nur zu dem Preis massiver Streckenstilllegungen sowie einer steigenden Neuverschuldung der DB AG erreicht werden.

Gleichzeitig setzen Bund und Land weiter auf den Ausbau der Straßen-Infrastruktur, der Binnenwasserstraßen und der Flughäfen, womit – neben einem vergrößerten Wettbewerbsnachteil für die Bahn – wachsende externe Umwelteffekte/Kosten verbunden sind.

 

Folgende Möglichkeiten stehen offen, um ohne Rückzug aus der öffentlichen Daseinsvorsorge eine zukunftsfähige Bahnstruktur zu bekommen:

 

1. Die Reorganisation der DB-Tochterunternehmen

Alle DB-Töchter sind organisatorisch in drei bzw. vier Führungsgesellschaften zusammenzufassen.

Die Immobilien und die übrigen Werte müssen diesen korrekt zugeordnet werden.

Unabhängige Institute sind mit der Klärung der Bilanzen zu beauftragen.

 

2. Die Infrastruktur ist als bundeseigenes Unternehmen eigenständig zu führen

Nicht nur Schienen, Brücken, Tunnel, Bahnhöfe, Güteranlagen, Stellwerke und Signale, sondern auch Energieversorgung, Bauprojektierung, Trassenvergabe, das Kursbuchwesen und das DB-Jobcenter – sie alle zusammen bilden die Infrastruktur! Sie sind aus dem DB-Konzern auszugliedern und dem zuständigen Ministerium direkt zu unterstellen.

 

 

3. Den Eisenbahn-Reiseverkehr neu ins Gleis bringen

Was für Regionalbahn und Regionalexpress gilt, sollte im Fernverkehr von einem zum anderen Bundesland genauso gelten. Auch Intercity-Züge sollten vom Bund oder von den Bundesländern bestellt werden und nicht Spielball bzw. wirtschaftliche Masse eine renditeunterworfenen Unternehmenspolitik sein.

 

4. Die DB-Güterbahn Railion zukunftsfähig machen

Das Konzerngeflecht der DB AG ist mannigfaltig. Railion, ihre Güterbahn steht am Prellbock. Railion und das Schienennetz leistungsfähiger zu machen, kostet Milliarden! – Dieses Geld kann aus dem Konzern selbst heraus aufgebracht werden.

Die DB AG verfügt im eigenen Haus über genügend eigene Konkurrenz zum Schienengüterverkehr.

Die Veräußerungen derselben müssen aber mit Bedacht realisiert werden. In jedem der nächsten Jahre muss nur soviel Geld fließen, wie jeweils für die Bahn gebraucht wird. Einen totalen Ausverkauf der Güterverkehrssparte lehnen wir ab.

Im weiteren ist festzulegen, worin die öffentliche Aufgabe der Bahn besteht und was nicht zu deren Aufgaben gehört.

Die DB ist Bundeseigentum. Teile davon zu veräußern ist nur gerechtfertigt, wenn der Erlös ausschließlich dem Schienenverkehr zur Verfügung steht und der Daseinsvorsorge dient.

 

Leistungsfähige moderne Transportstrukturen sind die Grundlagen einer erfolgreichen Wirtschaft.

Dies gilt für die Beförderung von Personen und Gütern gleichermaßen, künftig stärker für Güter. Seeschiffe mit über 10 000 Containern an Bord sind zunehmend Realität.

Legt eines davon in einem Nordseehafen an, dann sind entweder 10 000 Lkw oder 200 Güterzüge erforderlich, um die Fracht zu verteilen.

Da Straßen unter der Last von 40- oder gar 60-Tonnern größten Schaden nehmen, kommt ausschließlich die Bahn als leistungsfähiger Verkehrsträger zur Verteilung der Güter in Frage.

Der Satz „Güter gehören auf die Schiene“ ist künftig wichtiger denn je.

Der Bund muss Eigentümer der Bahn bleiben, kann aber Teile in passende Trägerschaften geben.

Jedweder Verkauf käme hingegen einer Enteignung der Gesellschaft gleich: Für den Bund gäbe es spärliche Erlöse, für die Käufer lägen Milliardenwerte auf dem Gabentisch.

Ein Verkauf öffentlichen Eigentums gleicht einem Diebstahl an der Gesellschaft.

Im Gegenteil: Nicht die Bahn, sondern Vermögen der Bahn ist zu verkaufen, wenn das Geld knapp ist.

 

Lassen Sie mich mit einem Zitat des Club of Rome aus seiner Studie „Grenzen der Privatisierung“ enden: „Es scheint ein fundamentaler Fehler zu sein, die Eisenbahninfrastruktur zum Subjekt des Profits der Anteilseigner zu machen.“