Fraktion DIE LINKE: EU-Gipfeltreffen ist
Schritt zurück
Anlässlich des Gipfeltreffens der Staats- und Regierungschefs
der Europäischen Union am 11./12. Dezember 2008 in Brüssel erklärt
der europapolitische Sprecher der Fraktion Harry Czeke:
„Insgesamt stellt sich das Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs
als
sehr enttäuschend für die Fraktion DIE LINKE. im Landtag
von Sachsen-Anhalt dar.
Nicht nur, dass Frau Merkel
von der Klimakanzlerin zur Kämpferin
der Industrie mutiert ist und dass aus dem EU-Konjunkturprogramm die
Aufforderung zu
Mehrwertsteuersenkungen heraus genommen wurde, um
den Konsum anzuregen. Nein - auch der
Vertrag von Lissabon, der inzwischen
dreimal (bzw. der fast inhaltsgleiche Verfassungsvertragsentwurf in Frankreich
und den Niederlanden und einmal der Vertrag selber in Irland) von Völkern
der Europäischen Union abgelehnt wurde, wird wieder aus der Versenkung
geholt und einer neuen Volksabstimmung gestellt.
Den Iren werden im Gegenzug für ein erneutes Referendum der
Erhalt
ihres EU-Kommissars und Protokollerklärungen zur militärischen
Neutralität geboten. Und da kein anderer Mitgliedsstaat auf seinen
Kommissar verzichten möchte, wird die vorgesehene Verkleinerung der
EU-Kommission, die die Arbeit der Kommission effizienter gestalten sollte,
gekippt und es bleibt bei 27 Kommissaren bzw. Kommissarinnen.
Eines der Hauptargumente der EU für den Lissabon-Vertrag war, dass
die EU mit dem Nizza-Vertrag und all den Erweiterungen in den letzten Jahren
nicht mehr handlungsfähig ist und es daher dringend anderer Regelungen
zur Abstimmung im Europäischen Rat bedarf. Geht es aber um die
Handlungsfähigkeit
der EU-Kommission, sind die Staats- und Regierungschefs anscheinend nicht
ebenso konsequent. Jeder bedenke, dass es sich bei der Kommission um den
Verwaltungsapparat der EU handelt und jeder Kommissar einen riesigen Stab
an Verwaltungsbeamten und damit auch Unmengen an Kosten nach sich zieht.
Die Ergebnisse des Gipfeltreffens stellen sich damit insgesamt als
Augenwischerei
und vor allem als inkonsequent dar. Bei allen Themen wurden Rückschritte
und keine Fortschritte erzielt, die
Klimaziele wurden abgeschwächt
und Ausnahmeregelungen für die Schwerindustrie vereinbart. Das
Konjunkturpaket
wurde verringert und einer der wichtigsten Punkte, die Mehrwertsteuersenkung,
die den Bürgern zu Gute gekommen wäre, wurde heraus gestrichen.
Ein Vertrag, der in demokratischen Abstimmungen abgelehnt wurde, soll erneut
wieder belebt werden. Und ganz am Rande wird auch noch erklärt, die
militärische Leistungsfähigkeit der EU drastisch verstärken
zu wollen und für Operationen die Verlegung von 60.000 Mann innerhalb
von 60 Tagen möglich zu machen.“
Magdeburg, 12. Dezember 2008
+++ Pressesprecher: Dr. Thomas Drzisga (v.i.S.d.P.)
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